Für seine Unterstützung der „Weißen Rose“ erhielt der Genossenschaftler Eugen Grimminger 10 Jahre Zuchthaus. Mit der Stolperstein-Einweihung am 26.10.2022 wird an seinen Mut und seinen Widerstand erinnert.

Eugen und Jenny Grimminger im Urlaub in der Schweiz 1928, Quellenhinweis: Stadtarchiv Crailsheim, Slg. Grimminger

 Auf Initiative der Historiker-Genossenschaft eG erhält der Genossenschaftler Eugen Grimminger an seinem früheren Stuttgarter Wohnort in der Altenbergerstraße 42 einen Stolperstein. Die Einweihung findet statt am 26. Oktober 2022 um 16.00 Uhr. Interessierte sind herzlich zu der etwa einstündigen Veranstaltung eingeladen. Es sprechen von der Stuttgarter Stolperstein-Initiative Werner Schmidt und von der Historiker-Genossenschaft eG Dr. Holger Martens. Den musikalischen Rahmen gestaltet die Songgruppe „Die Marbacher“.



Eugen Grimminger wurde 29. Juli 1892 geboren. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung im Verwaltungsdienst. Er wurde Soldat im Ersten Weltkrieg und übernahm nach dessen Ende öffentliche Aufgaben in der Ernährungswirtschaft, die vor allem die Mangelverwaltung betrafen. 1922 heiratete er Jenny Stern. In demselben Jahr wechselte Grimminiger zum Verband landwirtschaftlicher Genossenschaften in Württemberg e.V. in Stuttgart als Revisor. Sein Arbeitsschwerpunkt wurde die württembergische Milchwirtschaft. Es gelang ihm, diesen Zweig durch die Gründung zahlreicher Milchverwertungsgenossenschaften erfolgreich auszubauen. 1925 erhielt er als „Molkereiinspektor“ die Zuständigkeit für alle Molkereien im Verband. Als Oberrevisor übernahm Grimminger 1930 die Leitung der verbandlichen Prüfungsabteilung.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten sah sich das Ehepaar der Verfolgung ausgesetzt, da Jenny Grimminger jüdischer Abstammung war. Zwar konnte Eugen Grimminger seine Tätigkeit zunächst fortsetzen, nach einem Denunziationsschreiben eines NSDAP-Kreisleiter wurde er im Frühjahr 1935 allerdings vom Genossenschaftsverband entlassen. Eugen Grimminger machte sich als Bücherrevisor selbstständig und betrieb in Stuttgart ab 1937 ein Treuhand- und Beratungsbüro. Nach der Reichspogromnacht half er jüdischen Freunden und politisch Verfolgten zur Flucht in die Schweiz.

Als der mit ihm bekannte Robert Scholl im September 1942 darum bat, das eigene Wirtschaftstreuhandbüro während einer anzutretenden Haftstrafe zu betreuen, kam Eugen Grimminger in Kontakt mit Inge und Sophie Scholl, später auch mit Hans Scholl und Alexander Schmorell. Grimminger unterstützte den Kampf der jungen Aktivisten der „Weißen Rose“ gegen die NS-Diktatur mit mehreren Tausend Reichsmark. Nach der Verhaftung der Geschwister Scholl wurde Grimminger am 2. März 1943 gefangen genommen. Der gegen ihn wegen Hochverrat beantragten Todesstrafe entging er nur knapp. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn am 19. April 1943 zu zehn Jahren Zuchthaus. Noch vor seiner Verurteilung wurde seine Frau verhaftet, später nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Nach seiner Befreiung am 22. April 1945 widmete sich Eugen Grimminger ab Juli 1945 wieder dem Genossenschaftswesen und wurde Verbandsdirektor (später Präsident) des Landesverbands landwirtschaftlicher Genossenschaften in Württemberg, eine Funktion, die er bis Ende 1958 ausübte. Eugen Grimminger verstarb am 10. April 1986 im Alter von 93 Jahren in Stuttgart.

Ein Stolperstein für den Genossenschaftler Eugen Grimminger

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