
Am 18. März 1926 hatten ortsansässige Unternehmer die Hamburger Bank von 1926 e.G.m.b.H. gegründet. 83 Gründungsmitglieder unterzeichneten die Satzung. Ihren Sitz hatte die Bank in der Brandstwiete 2/4. Auf Initiative der Detaillistenkammer und der Gewerbekammer zu Hamburg schlossen sich Einzelhändler und Gewerbetreibende der Hansestadt zusammen, um das Kreditbedürfnis des Mittelstands zu befriedigen.
Am 1. Januar 1938 hatte die Kreditgenossenschaft 539 Mitglieder. Aufgenommen wurden bis zum Jahresende 84 Mitglieder, ausgeschieden waren bis zum 31. Dezember 1938 16 Mitglieder durch Kündigung, 14 Mitglieder durch Ausschluss, drei Mitglieder durch Übertragung der Genossenschaftsanteile und sieben Mitglieder durch Tod. Die Zahl der Mitglieder war damit zum 1. Januar 1939 auf 583 gestiegen
Bei einem Großteil der Ausgeschlossenen handelte es sich um jüdische Genossenschaftsmitglieder, die aufgrund der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben vom 12. November 1938 die Genossenschaft verlassen mussten. In Paragraf 3 der Verordnung hieß es: „(1) Ein Jude kann nicht Mitglied einer Genossenschaft sein. (2) Jüdische Mitglieder von Genossenschaften scheiden zum 31. Dezember 1938 aus. Eine besondere Kündigung ist nicht erforderlich.“ Zu den Ausgeschlossenen gehörten der Klempnermeister Jacob Lübeck und der Kaufmann Siegmund Jacobson, die beide zu den Gründungsmitgliedern der Kreditgenossenschaft zählten. Auch Edgar Hirsch, der erst im Juli 1937 Mitglied der Genossenschaft geworden war, musste zwangsweise ausscheiden. Bei acht der 14 ausgeschlossenen Genossenschaftsmitglieder handelte es sich nachweislich um Juden. Für Isidor Fischbein vermerkt die Mitgliederliste eine Kündigung zum 31. Dezember 1938, auch er war Jude. Als Tag der Eintragung ist der 23. November 1938 vermerkt, der Tag, auf den auch alle Ausschließungen datieren.
Leo Heilbrunn gelang die Flucht nach Frankreich, dort wurde er interniert. 1942 wurde er deportiert und in Auschwitz ermordet. Edgar Hirsch wurde am 8. November 1941 von Hamburg aus in das Getto Minsk verschleppt und dort ermordet. Isidor Hirschfeld wurde ebenfalls 1941 deportiert und in Minsk ermordet. Siegmund Jacobsen wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und im gleichen Jahr in Treblinka ermordet. Walter Lazarus wurde 1938 im KZ Sachsenhausen inhaftiert und 1941 nach Riga deportiert und dort ermordet. Alfred London wurde 1941 nach Minsk deportiert, das weitere Schicksal ist unbekannt. Jakob Lübeck wurde 1937 verhaftet und in mehreren KZs gefangen gehalten, zuletzt in Dachau, am 17. Februar 1942 wurde er mit einem sogenannten Invalidentransport in die Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Linz in Österreich gebracht und ermordet. Max Würzburg wurde 1941 nach Minsk deportiert, das weitere Schicksal ist unbekannt.
Isidor Fischbein, Hans Fischer, Fritz Werner Löwe, Jettchen Salomon, Salo Jacobson und Leo Isaacsen gelang die Flucht ins Ausland. Hermann Stein verstarb am 31. Dezember 1938 in Hamburg. Auch die beiden Inhaber der Firma Hertz&Link, Martin Hertz und Kurt Link, konnten sich ins Ausland retten. Der Konkurs der Firma für Beleuchtungskörper Wilhelm Wolfsson, Alter Wall 62, konnte 1929 durch einen Vergleich abgewendet worden. Erholen konnte sich das Unternehmen allerdings nicht, am 15. Januar 1935 wurde die Firma aus dem Handelsregister gelöscht. Der letzte Inhaber, Ernst Wolfsson, verstarb am 2. Mai 1935 im Alter fast 63 Jahren. Nur das Genossenschaftsmitglied Carl Salomon war schon vor 1933 verstorben und war damit kein Opfer nationalsozialistischer Verfolgung geworden.
Fünf Ausgeschlossene werden in Kürze Stolpersteine erhalten, wobei die Steine für Isidor Fischbein, Hans Fischer und Fritz Werner Löwe von der Hamburger Volksbank Stiftung und die Steine für Jettchen Salomon und Hermann Stein von der Historiker-Genossenschaft eG finanziert werden.

