Vor 111 Jahren: Deutschland bekommt seine erste Bankdirektorin

Am 19. Juni 1907 wurde Emmeline Stegmann einstimmig zum ersten Vorstandsmitglied der Spar- und Vorschussverein zu Schönlanke eGmbH gewählt. Sie war damit Deutschlands erste Bankdirektorin. Sie trat die Nachfolge des verstorbenen Bankdirektors Hanow an. Geboren wurde Frau Stegmann am 23. Juli 1865 in Schönlanke, das damals zur preußischen Provinz Posen gehörte, heute Trzcianka in der polnischen Woiwodschaft Großpolen. Im gleichen Jahr wurde von 19 Personen die örtliche Genossenschaftsbank gegründet. Zu den Mitbegründern gehörte Stegmanns Großvater, der auch die Bank leitete. Mit 21 Jahren trat sie in den Dienst der Kreditgenossenschaft, absolvierte eine Lehre und war als Mitarbeiterin unter ihrem Vater tätig, der dem Bankvorstand als Kassierer angehörte. Als Frau Stegmann zur Direktorin gewählt wurde, hatte die Genossenschaft etwa 900 Mitglieder und einen Umsatz von 65 Millionen Mark, das Eigenkapital lag bei etwa 500.000 Mark. 1908 konnte Frau Stegmann mit ihren Mitarbeitern das neu erbaute Bankhaus beziehen. Aus diesem Anlass stiftete sie ein Medaillon auf dem ein von Bienen umschwärmter Bienenkorb – als Symbol für das Sparen – dargestellt war mit der Inschrift: „Nur ernste Arbeit sichert den Erfolg“. In verschiedenen Zeitschriften, so der Sonntagszeitung – illustrierte Familien- und Frauenzeitung 1909, wurde Emmeline Stegmann als erste weibliche Bankdirektor vorgestellt.
Über 25 Jahre stand Emmeline Stegmann an der Spitze der Kreditgenossenschaft. In einer Würdigung anlässlich des 25. Dienstjubiläums wurde 1932 hervorgehoben, dass es ihr gelungen war, trotz der schwierigen Situation, die sich daraus ergab, dass Schönlanke infolge der Gebietsabtretungen nach dem Ersten Weltkrieg im Grenzgebiet zu Polen lag, der Inflationszeit und der Weltwirtschaftskrise die Bankgeschäfte erfolgreich fortzuführen. Innerhalb des Deutschen Genossenschaftsverbands war sie eine anerkannte Persönlichkeit, die auch auf den Verbandstagen das Wort ergriff. Auch in ihrem Heimatort fand sie Anerkennung. Frau Stegmann wurde als erste weibliche Geschworene gewählt. In der Wohlfahrtspflege hatte sie den Vorsitz des vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz inne. Anlässlich des 60-jährigen Bestehens des Vereins wurde ihr das Augusta-Kreuz verliehen und die von Frau Stegmann mit betreute Kinderschule in Schönlanke erhielt den Namen „Emmeline-Stegmann-Kindergarten“.

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